Ich bin eine peinliche Mutter

Strand auf Langeoog Foto: © A. PörtnerStrand auf Langeoog Foto: © A. Pörtner

Als ich noch jung war, da war mir vieles peinlich. Ich bin zum Beispiel niemals aus dem Haus gegangen, ohne mich wenigstens notdürftig geschminkt zu haben. Ich habe versucht, mich möglichst selten daneben zu benehmen, um nicht unangenehm aufzufallen. Nun gut, ich falle sowieso auf, weil ich für eine Frau ganz schön lang geraten bin (1,84 m). Aber ich hab mir damals viel mehr Gedanken darüber gemacht, wie ich wirken könnte.

Das hat mit den Jahren ganz klar nachgelassen. Und das ist das schöne am Älterwerden, dass man einfach gelassener und selbstbewusster wird. Man kennt sich selbst viel besser, als das noch mit 17 oder 21 der Fall war.

Nur zu dumm, dass ich jetzt leider für meine pubertierenden Jungs, vor allem den jüngeren Elfjährigen, unendlich peinlich bin. Ich bin eben seine Mutter und allein das ist schon mal hochgradig peinlich – ganz egal, was ich tue oder sage! Oder wie ich herumlaufe. Damit hab ich mich längst abgefunden und versuche mich in seinem Beisein stets im Hintergrund zu halten. Ganz so wichtig nehme ich mich zum Glück nicht, als dass ich dadurch ernsthaft beleidigt sein könnte. Denn ich weiß: Es geht vorbei. Hoffentlich. Das wurde mir schon von anderen erfahrenen Eltern bestätigt und auch der große Bruder hat´s mir schon bewiesen. Und ich hoffe, dass der „Kleine“ irgendwann feststellt, dass ich im Grunde gar nicht so schlimm bin. Ich bin sicher: Es gibt deutlich verkrampftere oder spießigere Mütter als mich! Also warte ich einfach weiter ab.

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert…

Aber ganz ehrlich muss ich auch gestehen, dass es einen Heidenspaß machen kann, peinlich zu sein! Also nicht absichtlich, um meine Kinder zu ärgern, sondern einfach nur so – für mich. Denn ich finde, wir Menschen sind insgesamt schon durch unser Dasein und Tun auf diesem wunderbaren Planeten so dermaßen lächerlich, dass wir uns eigentlich (jedenfalls für Kleinig- und Äußerlichkeiten) niemals schämen sollten!

Wie unnötig ist es, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob etwas peinlich ist oder nicht. Für Pubertiere ist das wichtig, das seh´ ich ja ein. Aber als reifer und erwachsener Mensch ist es einfach nur Zeit- und Energieverschwendung. Was wäre das Leben öde ohne die kleinen Aussetzer und Missgeschicke. Wie unerträglich langweilig wären wir Menschen, wenn wir alle perfekt wären – nichts weiter als sterile Roboter oder Barbiepüppchen. (Womit ich auch schon beim Thema für einen meiner nächsten Beiträge wäre – Perfektion.)

Also dann, auf geht’s zur nächsten Peinlichkeit… 😉 Ich freu mich schon!

Liebe Grüße, Eure

Eure Anette

 

P.S.

Was wäre Euch noch vor zwanzig Jahren megapeinlich gewesen – und heute lacht Ihr darüber? Lasst es raus, ich sag`s bestimmt nicht weiter…

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13 Kommentare

  1. Hallo Anette,

    Oh so ein bald Pupertier wohnt bei uns auch . Im Moment ist noch alles ruhig , lach . Hanna ist 9 Jahre aber wenn ich spontan im Wohnzimmer zu einem Lied aus den 80.igern tanze sagt sie immer : Oh Mama lass , das Lied ist voll Retro und Du peinlich 😉
    Nö finde ich gar nicht . Hanna wird dann einfach animiert mitzutanzen . Manchmal klappts .
    Vor 20 Jahren wäre mir total Peinlich gewesen „nur“ in Jeans und TShirt in eine Disco zu gehen . Heute genieße ich die Ü30 Partys mit meiner Kigafreundin, wir kennen uns seit 43 Jahren, dort zu tanzen , lachen ,manchmal albern sein wie damals als wir 16 waren , nur in Jeans und TShirt weil es wichtigere im Leben gibt , wir den Augenblick genießen und alle anderen keine Barbies und Ken’s sind . Selbst die entlocken uns nur ein müdes Lächeln .

    L. G Sandra

    • Liebe Sandra,
      das klingt ja nach purer Entspanntheit! So soll das sein. Ich find`s sehr wichtig, dass unsere Kinder von uns Erwachsenen nicht nur die „ernsten“ Dinge des Lebens beigebracht und vorgelebt bekommen (und das sind ja wahrlich nicht wenige), sondern eben auch Lebensfreude und Ausgelassenheit. Nur leider geht das ja gern mal im Alltag unter… Mehr Spaß für alle!!!
      Liebe Grüße,
      Anette

    • Liebe Sabine,
      vielen Dank für Deinen Kommentar! Es ist einfach beruhigend zu wissen, dass man nicht allein ist…
      Herzliche Grüße!
      Anette

  2. Hallo Anette,

    ich geselle mich gern dazu. Mein „Kleiner“ (15, 1,89 m) äußert es inzwischen nicht mehr lautstark über meine „Peinlichkeiten“, sondern hofft nur noch, dass es wenig peinlich vorüber geht, die „Grosse“ (21, 1,73 m) findet Manches an mir schon wieder cool! Wie toll! :-)))

    Also bleiben wir entspannt und machen einfach unser Ding. Es interessiert am Ende sowieso NIEMANDEN mehr, was wir warum getan haben, für wen und wie oft… also genießen wir JETZT und solange kein Anderer wirklich unter uns leiden muss, sind wir einfach auch mal peinlich 🙂

    Liebe Grüße aus Berlin
    Tine

    • Liebe Tine,
      vielen Dank für den guten Kommentar! Bei uns wird`s auch ganz langsam besser, aber bei dem Jüngsten schwankt es immer wieder. Der Ältere ruht in sich selbst und ihn kann nichts so leicht erschüttern. Schön wenn man merkt, dass sie irgendwann erkennen, dass man eigentlich ganz okay ist.
      Liebe Grüße,
      Anette

  3. Silvia Graf

    Liebe Anette, ich finde deinen Beitrag soooo gut! Es geht mir ganz genauso mit dem Älterwerden. Es betrifft mich nicht mehr, was andere über mich sagen, und ich bin viel gelassener und entspannter geworden.
    Ich freue mich schon auf deinen nächsten Artikel!

    Liebe Grüße aus Blankenfelde (Brandenburg)
    Silvia

    • Liebe Silvia,
      es freut mich sehr, dass Du meinen Text magst… Du klingst ja ziemlich entspannt – großartig!
      Viele Frühlingsgrüße,
      Anette

  4. Hallo Anette,
    Du hast das prima auf den Punkt gebracht!
    Ich habe zwar keine pubertierenden Kinder, aber von mir selbst als Teenager stammt die Aussage meiner Mutter gegenüber: „Ich werde nie ohne Makeup rausgehen, nicht mal zum Müll rausbringen!“ – Und heute? Gehe ich sogar ungeschminkt zum Bäcker 😉
    LG – Ute

    • Liebe Ute,
      faszinierend, wie sich die innere Einstellung mit der Zeit ändert. Aber zum Bäcker, am besten noch früh morgens und noch nicht ganz wach, finde ich nach wie vor etwas problematisch, ich geb`s doch mal ganz kleinlaut zu. Höchstens im Sommerurlaub, leicht gebräunt und ausgeschlafen – das geht dann noch… 😉 Dann sind die Augen nicht so klein.
      Viele Grüße!
      Anette

  5. Hallöchen!
    Hab über Insta zum Blog gefunden – sehr schön:-) – Meine ist (hoffentlich) bald wieder raus aus der Pubertät – anfangs war ich schon peinlich, wenn ich nur neben ihr gestanden bin (es könnte uns ja jemand gemeinsam auf der Straße sehen) – dabei werde ich eh immer jünger geschätzt – macht mich aber auch nicht cooler:-( – mittlerweile können wir wieder gemeinsam shoppen, ohne dass in eine Kabine flüchtet, wenn wir Schulfreunde treffen;-)….langsam wird es besser….

  6. Liebe Cornelia,
    ich freu mich, dass Du meinen Blog gefunden hast!
    Also ich denk mal, wir können so junggeblieben aussehen oder wirken wie wir wollen, es ist einfach die Tatsache, dass wir ELTERN sind, die uns disqualifiziert… Ich versuche mich zurückzuversetzen in meine Pubertät und kann es absolut verstehen.
    Je mehr wir versuchen, jugendlich zu wirken, desto peinlicher ist es für unsere Teenies, glaube ich.
    Viele Grüße!
    Anette

  7. Hahaha, oh ja, mir war auch so vieles peinlich… zum Glück lässt das im Alter nach. Oder verändert sich zumindest. Ein Glück, dass Altern auch einige Vorteile bietet: -)

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