Gewalt – nein Danke!

Mönch in ThailandMönch in Thailand (Foto: © A. Pörtner)

Ich weiß nicht, wie`s Euch so geht, aber je älter ich werde, desto weniger kann ich Gewaltdarstellungen ertragen. Egal, ob in Buch oder Film, am allerwenigsten im realen Leben. Und ganz egal, ob körperlich oder mit Worten. Warum tun die Menschen sich so was an? Und noch weniger begreiflich ist mir, weshalb Menschen sich Horrorgeschichten freiwillig und als „Unterhaltung“ reinziehen.

Natürlich lese ich auch gerne mal ein spannendes Buch, z.B. einen Krimi oder Thriller. Die Trilogie von Stieg Larsson fand ich megaspannend und habe sie damals in kürzester Zeit regelrecht verschlungen. Der Unterschied zum Film ist beim Lesen nur, dass ich selbst entscheiden kann, wie genau ich mir die Details ausmale. Aber selbst manchen Thriller lege ich mittlerweile nach dem Lesen des Klappentextes wieder beiseite, weil er mir zu heftig sein könnte.

Und die Spielfilme sind meines Erachtens so viel brutaler geworden – und was in den Unmengen an Ballerspielen so abläuft, die so unglaublich beliebt sind, will ich lieber gar nicht so genau wissen. Meine beiden Jungs sind da zum Glück nur teilweise begeistert und beschäftigen sich auch sehr gerne mit anderen Dingen wie z.B. Skateboard fahren, Angeln und Gitarre spielen. Aber darum geht es mir heute auch gar nicht. Ich beobachte nur an mir selbst, dass ich immer weniger bereit bin, mir die Greuel dieser Welt anzutun – und erst recht keine fiktiven Greuel, denn die Realität (siehe Tagesschau) ist schon brutal genug. Ich kann es einfach nicht (mehr) ab!

Und das beste: Man(n) macht sich lustig über mich!

Schon früher hab ich z.B. Filme wie „Das Schweigen der Lämmer” bewusst nicht angeschaut, weil mich heftige Brutalitäten einfach nicht mehr so schnell loslassen. Am Ende träume ich noch davon. Und das brauche ich wirklich nicht.
Ich bin überzeugt, dass zuviele Gewaltdarstellungen die Menschen abstumpfen lassen, aber das ist wieder ein anderes Thema. Mag sein, dass ich selbst zu übersensibel bin und daher noch empfindlicher reagiere als andere. Aber das schlimmste ist: Es wird nicht besser, sondern gefühlt eher schlimmer.

Sind`s die Hormone?

Auch viel Lärm und Erschrecktwerden sind für mich Gift. Eine Zeit lang hat mich mein jüngerer Sohn mit Vorliebe erschreckt und es hat ihm einen Heidenspaß gemacht, mir aus dem Hinterhalt „aufzulauern“. Und ich? Kann jetzt endlich meine eigene Oma verstehen, die immer richtig sauer war, wenn ich sie damals als Kind absichtlich erschreckt habe. Wenn das Herz dann einen riesigen Hüpfer macht und ich mich danach erst mal beruhigen muss, dann merke ich, dass es nicht gut für meine Nerven ist. Au weia, das nervt!
berge_DSCN8916Nun denn, die entscheidende Frage ist ja nun: Liegt diese steigende Empfindlichkeit wirklich nur an den bald anstehenden Wechseljahren, sprich an den Hormonen? So ein Mimöschen will ich nicht sein. Das Thema Tod ist bei mir ganz extrem sensibel (aufgrund frühzeitiger Erfahrungen im engsten Familienkreis) Ich muss nur daran denken oder darüber sprechen – und schon kommen mir gerne mal die Tränen, ohne dass ich es verhindern könnte. Irgendwie nervt das wirklich sehr. Und meine Familie wundert sich…

Aber zurück zu den Gewaltdarstellungen in Film und Fernsehen: Es ist mir unbegreiflich, dass Menschen sich in Computerspielen und Filmen so gerne Tod und Gewalt anschauen oder nach“spielen“. Ist das Leben ansonsten zu öde für diese Menschen? Gibt es denn nichts schönes und angenehmes, für das sie sich begeistern können? Ich bin ein friedliebender Mensch und würde mir so sehr wünschen, dass die Menschen miteinander gut umgehen, anstatt sich gegenseitig zu unterdrücken oder abzumurksen. Auf dieser Welt gibt es leider mehr als genug Gewalt, da kann man doch froh sein, wenn das eigene Leben weitgehend friedlich verläuft.

Mal ehrlich – bin ich zu empfindlich?

Wie geht es Euch mit dem Thema Tod und Gewalt in den Medien?
Werdet Ihr sensibler, je älter Ihr werdet? Stoßt Ihr auch auf wenig Verständnis, was dieses Thema betrifft?

Sicher, es ist ein weites Feld, über das man wesentlich längere Blogposts verfassen und sehr viel weiter ausholen könnte. Aber keine Sorge, das mute ich Euch nicht zu – ich musste mir nur einfach mal Luft machen und wüsste wirklich gerne, wie es Euch mit diesem Thema geht.

Friedliche und lebensbejahende Grüße,
Eure

Eure Anette

 

 

 

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7 Kommentare

  1. Du bist nicht zu empfindlich! Es geht mir genauso, und ich habe die Wechseljahre jetzt hinter mir. Damit kann es also nichts zu tun haben.
    Ich schaue mir z.B keinen „Tatort“ mehr an, weil es mir oft zu brutal ist. Krimis lese ich auch nicht, lieber Klassiker, Romane und Reisebeschreibungen. Ballerspiele kann ich überhaupt nicht leiden.

    Vor dem eigenen Tod habe ich keine Angst, vielleicht weil ich an Gott glaube. Aber davor, dass mein Mann sterben könnte, schon. LG Silvia

  2. Liebe Anette,

    ich sehe mir nach wie vor gerne (keine deutschen) Krimis an, auch die Spannung im Thriller mag ich (wenn sie gut gemacht ist!). Zuviel Blut allerdings finde ich absolut unnötig und ich finde, es fließt in Filmen mehr Blut als früher.

    Vor Jahren habe ich mich entschieden, Nachrichten aus meinem täglichen Konsum zu verbannen. Weder Zeitung noch Radio gehören zu meinem Alltag. Alles kann mal sein, aber tägliches Konsumieren, um informiert zu sein, kommt bei mir nicht mehr vor.

    Warum? Weil es ausschließlich schlechte Nachrichten gibt. Weil ich nach einer Nachrichtensendung immer einen Kloß im Hals habe. Weil ich während der Sendung frustriert bin, in einer solchen Welt zu leben.

    Manche sagen, ich würde wegsehen. Ja, vielleicht haben sie Recht, aber ändern kann ich es sowieso nur in meinem eigenen kleinen Kosmos und seitdem ich nicht mehr schaue, geht es mir einfach besser!

    Hormone? Ich denke, wir werden sensibler in dieser Zeit, sind anfälliger und die Stimmungsschwankungen gehören dazu. Wir sehen wieder mehr die kleinen Dinge, die uns glücklich machen und fragen uns deshalb vielleicht, was Gewalt und Kampf in diesem kurzen Leben zu suchen hat… oder so 🙂

    Liebe Grüße
    Tine

  3. Hallo Anette,
    genau so geht es mir auch. Die Gewalt im TV (in sehr deutlichen, langen Sequenzen ausführlich dargestellt), bringt mich meist dazu, von vornherein keine sogenannten ‚Thriller‘ mehr anzuschauen.
    Spannende Bücher lese ich immer noch gern. Kopfkino ist für mich einfach die bessere Alternative!

    Nachrichten werden einmal ‚kompakt‘ geschaut (gehört), Sondersendungen konsequent gemieden (es gibt ja ohnehin keine wesentlichen Erkenntnisse, die nicht vorher schon angesprochen wurden), Talkshows mit immer den gleichen „Selbstdarstellern“ ebenso.

    Darüber hinaus reicht mir eine gute Wochenzeitung mit sauber recherchierten Berichten, die über den Tellerrand hinaus gehen.

    Herzliche Grüße
    Marry

  4. Nein, das liegt nicht (nur?) an den Hormonen! Ich konnte mit exzessiven Gewaltdarstellungen noch nie was anfangen und zwar weder in Büchern (historische Romane sind da ja auch ganz übel, da wird ja nur gemordet und verge*waltigt) noch in Filmen. Ich habe vor einem Jahr mal bewusst versucht, mich abzuhärten und mir zwei Folgen vom Tatort reingezogen. Keine gute Idee. Es ist ja nicht so, dass ich nicht schon von alleine mal in ein schwarzes Loch reinfalle, aber das hat mir echt die Beine weggezogen, seelisch. Diese düstere u. deprimierende Grundstimmung ist unerträglich und wenn es dann noch um Gewalt gegen Kinder/Jugendliche geht, ist bei mir eh der Ofen aus. Seither meide ich Filme dieser (und noch schlimmerer) Art konsequent. Was heißt, dass mein Mann und ich nur selten zusammen vor der Glotze sitzen, weil wir da komplett anders ticken. 😉

    Erstaunlicherweise wird man immer in diese „Sensibelchen“-Ecke geschoben, wenn man das nicht ertragen kann. Gut. Dann bin ich eben „sensibel“ und „sollte lieber Biene Maja anschauen“. Und nicht nur du bist davon überzeugt, dass uns zu viel Gewalt abstumpfen lässt. Habe diverse Berichte (von nicht in/an den Wechseljahren steckenden Frauen) zu diesem Thema gelesen, die genau das bestätigen. Aber das darfste nicht sagen, sonst bist du eine hormonell austickende Schreckschaube. Nun ja… 😉

    Lieben Gruß
    Anna

  5. Liebe Anette,

    du sprichst mir da wirklich direkt aus und in meine Seele! Ich kann mir diese ganzen Gewaltdarstellungen in den Medien auch nur noch ganz schlecht ansehen. Nah am Wasser gebaut war ich eigentlich schon immer. Aber seit meine beiden Kinder auf der Welt sind ist es ganz schlimm. Ein rührender noch so klitzekleiner Moment, eine unsagbare Grausamkeit gegenüber Kindern in den Medien oder einfach nur ein knallharter Actionfilm und es ist bei mir vorbei. Ich kann es einfach nicht mehr ertragen. Ich sehne mich einfach nach Harmonie, Romantik, Fröhlichsein und Humor.
    Wenn mich nun jemand als kleine Mimose oder Sensibelchen abstempelt…? Juckt mich ehrlich gesagt gar nicht. Denn ein Gutes hat mein Alter: ich muss mich für das was ich bin und fühle vor keinem rechtfertigen! Diesen Luxus gönne ich mir! 😉

    Herzlichste Grüße!
    Yvonne

  6. Ein ganz toller Artikel von jemandem der offensichtlich Empathie besitzt (denn nach Arno Gruen sind nur ein Drittel der Menschen empathisch).

    Es geht tatsächlich darum, dass der Anblick von menschlichem Leid für manche offensichtlich erträglich geworden ist – und das ist eigentlich traurig.

    Wir sind ein paar StudentInnen aus München, die gerade eine Initiative gegen Gewalt in den Medien starten – mehr auf: http://iggim.blogspot.com .

    Julia

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